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“Wundersame” Begegnung in Thailand
Ende November 1999 fasste ich sehr kurzfristig den Entschluß, alleine nach Thailand zu fliegen, was ich drei Tage später auch tat. Meine Reiseplanung beschränkte sich darauf, daß ich mir im Flugzeug im Reiseführer anschaute, wo ich die erste Nacht in etwa verbringen wollte. Ich landetete auf Ko Phuket und nahm mir ein Zimmer in Phuket Town, der größten Stadt auf der Insel. Am nächsten Tag ging ich auf Entdeckungstour durch die Stadt, wollte mir insbesondere einen chinesischen Tempel anschauen und dort Ruhe finden vom Streß, den ich in Deutschland zurückgelassen hatte. Es waren nur sehr wenige Menschen in diesem Tempel, insgesamt höchstens zehn. Ich genoß die Atmosphäre voller Energie, die für mich in buddhistischen Tempeln und allgemein in den meisten religiösen Heiligtümern, gleich welcher Religion, liegt, ging langsam umher und saß eine ganze Weile auf einer Steinbank. Plötzlich sprach mich eine junge Thai an. Woher ich komme, was ich hier mache, und so weiter - eigentlich ganz normal, wenn man in ferne Länder reist. Und dann erzählte sie mir, daß sie Krankenschwester ist und am Nachmittag frei habe, und sie würde mir gerne Phuket zeigen! Und damit löste sie in mir eine ganze Menge an Gedanken und Abwehrreaktionen aus! “Was hat sie vor? Will sie Geld dafür haben? Ist sie auf der Suche nach einem Ehemann? Ist sie vielleicht sogar eine Prostituierte auf der Suche nach einem Kunden für die nächste Woche?” Sie sagte, sie würde jetzt noch mit ihrem Opa ins Kino gehen und wäre ab 15:30 wieder zu Hause, ich könne sie dort anrufen, wenn ich Lust hätte, mich mit ihr zu treffen und sie gab mir ihre Telefonnummer. (In der Zwischenzeit war ihre Mutter dazugekommen, was meine Zweifel etwas entkräftete...) Die beiden gingen und ich überlegte lang. Irgendwo musste der Haken sein! Warum soll mich, einen Ausländer, eine junge Frau einfach so ansprechen und mir anbieten, mir am Nachmittag Phuket zu zeigen? Warum geht sie so ein Risiko ein? Wie hoch ist mein Risiko dabei? Mir viel auf, daß ihre Telefonnummer fast identisch mit meiner eigenen war, das war der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung, sie anzurufen! Sie gabelte mich in der Nähe meines Hotels mit ihrem Moped auf und wir fuhren aus der Stadt zu einem Tempel etwa 10-15 km außerhalb (Wat Chalong). Währenddessen kreisten immer noch meine Gedanken darum, was der Haken sei, was sie verlangen würde als Gegenleistung. Ich fühlte mich recht schwach dabei. Ich saß zusammen mit einer Unbekannten auf einem Moped und fuhr in einem fremden Land allein weg von meinem Hotel raus aufs Land in eine mir unbekannte Gegend. Würde sie irgendwann in einen Feldweg abbiegen, wo ein paar Jungs mit Baseballschlägern warten, um mich um mein Geld zu erleichtern?
Wir besichtigten den Tempel, es war wunderschön. Hier schwanden meine ersten Zweifel, als sie einem Mönch im Tempel Geld gab, ich ihm auch welches gab und sie zu mir meinte, ich bräuchte nichts zu bezahlen, sie hätte das schon für mich gemacht!
Ae (Kanjana) und ich fuhren weiter zu einem sehr schönen Aussichtspunkt und weiter die Küstenstrasse entlang durch eine wunderbare Landschaft und ich genoß die Fahrt inzwischen richtig. Nachdem wir in einen kräftigen tropischen Gewitterregen gekommen waren, lud sie mich zu ihrer Familie nach Hause zum Essen ein (das war ganz in der Nähe). Dort angelangt wurde ich zum Aufwärmen unter die Dusche geschickt (ich wollte protestieren, aber es wurde “medizinisch verordnet” ;-), während Ae und ihre Mutter ein gigantische Essen zauberten. Zum Essen kamen auch ihre beiden Schwestern (so ca. 12 und 14 Jahre), es war trotz oder gerade wegen massiver Sprachprobleme sehr lustig, mein Teller war nie leer, es war einfach schön! Ich war als unbekannter Ausländer wie selbstverständlich Gast der Familie ohne jedes Mißtrauen!
Ich fühlte eine richtige Euphorie in mir, ich spürte Liebe, die mir entgegengebracht wurde, Liebe in Form von bedingungsloser Nächstenliebe. Niemand wollte etwas von mir als Gegenleistung, es existierten keine Erwartungen! Was ich spürte war eine absolute Offenheit, ein grenzenloses Vertrauen, war Liebe.
Dieses Erlebnis hat einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen. Es hat den ganzen weiteren Urlaub (leider nur drei Wochen) geprägt. Während ich durch Thailand reiste, begegnete ich sehr vielen Menschen, die mir offen entgegenkamen ohne die Absicht, mir irgendetwas zu verkaufen oder sonstwie an mein Geld zu wollen. Dies war auch deswegen möglich, weil ich sehr viel offener den Menschen begegnet bin, als dies vorher, geprägt durch die obligatorischen Warnungen des Reiseführers und die Zweifel eines “deutschen Bürgers”, möglich gewesen wäre. So hat mich eine Familie eingeladen zu ihrem Picnic auf der Uferpromenande von Krabi, ich lernte beim Aufstieg über 1272 Treppenstufen auf einen Berg am Wat Tham Seua (bei Krabi) eine Menge von Jungendlichen kennen, die mir während unseres gemeinsamen Aufstiegs sogar von ihren Getränken anboten, obwohl sie selber sehr wenig dabei hatten. etc. etc. etc. Immer begegnete ich Höflichkeit, Respekt, Offenheit und Vertrauen. Und ich muß leider sagen, daß diese Eigenschaften hier in Deutschland inzwischen leider immer weniger werden. |