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Tantra
Die meisten Menschen verbinden den Begriff Tantra einfach nur mit Sex. Doch es steckt eine Menge mehr dahinter. Tantra definiert ein neues Bild vom Menschen und vom Umgang miteinander. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Achtung des Gegenübers. Tantra hebt in gewisser Weise die Polarität zwischen männlich und weiblich auf. Jeder Mensch hat eine männliche und eine weibliche Seite, was er auch zulassen sollte!
Tantra beschäftigt sich mit den Energiezentren im Körper, den sogenannten Chakren und Energieflüssen im Körper sowie zwischen Menschen. Es geht darum, sich zuerst einmal des eigenen Körpers vollkommen bewusst zu werden. Die körperlichen und geistigen Effekte, die ich selber erfahren durfte, sind phänomenal und ich kann es jedem nur empfehlen, sich mit der Magie von Tantra zu beschäftigen. (Ein ganz guter Einstieg in Buchform ist meiner Meinung nach “Magie des Tantra” von Margot Anand, was auch die magische Seite sehr schön beschreibt. Margot Anand geht hier allerdings nicht auf die verschiedenen historischen Wurzeln und Richtungen des Tantra ein.)
Ich selber stehe noch am Anfang, doch das Potential, das ich bereits jetzt für mich gefunden habe und das ich noch sehe, ist einfach gigantisch! Meine Erfahrungen bis jetzt sind noch sehr spärlich, doch verschiedene tantrische Denkweisen sind für mich zu zentralen Erkenntnissen meines Lebens geworden.
Einige Grundsätz des Tantra, die ich sehr wichtig finde:
“Es ist wichtig, sich selbst zu lieben, um auch andere lieben zu können.”
Das Erleben aller Sinne - seit ich mich mit Tantra beschäftige, nehme ich bewusster wahr und das in allen möglichen Lebenssituationen. Ich habe festgestellt, daß man als Mensch in der heutigen Konsum- und Mediengesellschaft geflutet wird mit externen Reizen. Eine der Hauptbeschäftigungen der Menschen ist allabendlich der heimische Fernseher. Wo man in den Städten auch hingeht, überall ist Hektik und Streß und man wird mit Lärm bombardiert. Es ist erstaunlich, welche Befriedigung es ist, sich in der Natur in eine Wiese zu legen, die Augen zu schliessen und einfach mal wieder bewußt zu riechen, zu fühlen und zu hören, bzw. die Stille wahrzunehmen.
Natürlich ist ein wichtiger Bestandteil des Tantra die Sexualität. Jedoch in einer gänzlich anderen Dimension als die Sexualität der westlichen Welt, die doch sehr vom Leistungsprinzip geprägt ist. Sexualität in der westlichen Welt ist zielgerichtet, das Ziel ist die Erlangung eines Orgasmus. So ist es eine ganz selbstverständliche Sache, daß ein Mann “versagen” kann. Und “sexuelles Versagen” schürt Versagensängste, die eine psychische Barriere im Mann aufbauen. Die Folge ist oft erneutes, wiederholtes “Versagen”.
Die Lehren des Tantra beschreiben spezifische sexuelle Praktiken. Ziel dieser Praktiken ist jedoch nicht, möglichst schnell oder variantenreich zum Orgasmus zu kommen. Chogyam Trungpa zufolge ist das Ziel “die Auflösung der Empfindung eines Innen und Aussen und der Übergang zur Wahrnehmung eines alles durchdringenden energetischen Raums, der ursprüngliche Weisheit und eine Art brennender transzendenter Lust und Wonne ist”.
Tantra hat in diesem Sinne kein “kurzfristiges Ziel” in Form eines Orgasmus, sondern hat höhere Ziele. Tantriker entwickeln ein stärkeres Bewußtsein für sich und ihren Partner, jede Berührung, jedes Streicheln erhöht die sexuelle Energie und ist deswegen sehr wertvoll.
Die sexuelle Energie wird über verschiedene Techniken transformiert in spirituelle Energie, ohne in einem Orgasmus “sinnlos zu verpuffen”. Der Zweck der Techniken und die Kunst liegt darin, sehr nahe an einen Orgasmus zu kommen, diesen Zustand immer weiter zu verlängern und die dabei entstehenden sexuellen Energien zu “veredeln”, zu transformieren.
Bevor man an den Gipfel eines Baumes gelangen und die Knospen und Blüten verstehen kann, muß man tief zu den Wurzeln gehen, denn dort ruht das Geheimnis. Je tiefer die Wurzeln reichen, desto höher ragt der Baum. (Nietzsche)
Der Zweck des Lebens ist zu leben, und zu leben heißt, bewußt zu sein - fröhlich, trunken, göttlich bewußt. (Henry Miller)
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